Fanatiker musst du sein!

Er ist ein fanatischer Drummer und hat in seinen 55 Profi-Jahren so manchen Schlagzeuger angesteckt: Zu Charly Antolinis Schülern zählt etwa Drummer’s Drummer Jojo Mayer. Unzählige Schlagzeuger haben sein Spiel kopiert. Er hat das Basler Trommeln ins Jazzdrumming eingebracht. Als er 1956 seine Profi-Karriere begann, sprach von Rock’n’Roll noch niemand ... 





von Cord Radke


Charly Antolini

DrumHeads!!: Charly, ich kann mir vorstellen, dass das Musikerleben in den 1950er-Jahren mit dem von heute nicht zu vergleichen ist ... 


Charly Antolini: 1956 sprach noch niemand vom Rock'n'Roll. Da hat man von Dixieland oder Swing gesprochen. Mehr gab's da noch nicht. Vielleicht noch Bebop. Aber mit 18 Jahren war ich vom Bebop-Stil noch nicht groß begeistert. Ich fing damals in Paris in einem Club an, der hieß „Kentucky Jazzclub“. Wir spielten von Dienstag bis Samstag, immer von halb neun bis ein Uhr nachts. (Lächelt schwärmerisch) „Paris a la nuit“. Zweimal die Woche kam ein Bus mit Japanern, die Fotos von einem schwarzen Pärchen machten, das zu unserer Musik Jitterbug getanzt hat. Es war eine wunderschöne Zeit. 


DH!!: ... warum gerade Paris? 


Charly: Paris reizte mich. Ich wohnte ja in Zürich. Und da kam eines Tages ein Typ daher und sagte: „Du, Charly, wir suchen einen Schlagzeuger für einen Jazz-Club in Paris. Willst du nicht mitkommen?“ Und ich sagte ihm dann: „Das geht nicht. Ich bin erst 18.“ In der Schweiz war man in der damaligen Zeit erst mit 20 volljährig. Also meinte ich: „Ihr müsst zu mir nach Hause kommen und meine Mutter fragen.“ Ich war da in der Lehre. Die habe ich dann letztendlich nicht abgeschlossen. Mein Vater meinte: „Kommt nicht in Frage!“, meine Mutter sagte: „Lass' ihn doch gehen. Er hat so viel Freude am Schlagzeugspielen.“ Mein erstes Schlagzeug habe ich mit 16 gekauft, meinen ersten öffentlichen Auftritt hatte ich mit 17, und anderthalb Jahre später war ich schon in Paris.




DH!!: Und zwischenzeitlich hattest du auch noch eine Ausbildung an der Tam­bou­ren­schule Zürich durchlaufen. Wie hat man sich das vorzustellen? 


Charly: In Deutschland würde man sagen: eine Marschmusik-Trommelschule. Bei uns in der Schweiz sind diese Tambourenschulen technisch gesehen auf sehr hohem Niveau. Die berühmteste Schule ist das Basler Trom­meln. Das ist eine sehr feine Trom­mel­technik. Mittlerweile ist die auch in Deutsch­land verbreitet. Zu meiner Zeit, als ich nach Deutschland kam, gab's nur wenige  Schlag­zeuger, die mich aber nicht groß beeindruckt haben. 


DH!!: Wodurch zeichnet sich denn das Basler Trommeln genau aus? 


Charly: Durch Technik! Paradiddle, Flam­a­did­dle, durch technische Grundlagen wie Vorschläge, Flams, durch Triolen mit Vor­schlägen. Es gibt ja auch die amerikanische Entsprechung: Billy Cobham, Steve Gadd ... die kommen alle vom Marschtrommeln ... American Drumming eben ... (trommelt vor). Und dann gibt's noch das schottische Trommeln (trommelt vor), das ist wieder anders. Französisches Trommeln ist mit dem Basler Trommeln verwandt. Diese drei - American Drumming, Schottisches und Basler Trommeln - sind für mich die berühmtesten Schulen für die Kleine Trommel.


DH!!: Wird das Basler Trommeln auch heute noch so gelehrt, wie du es gelernt hast? 


Charly: Ja, aber das kannst du nicht bei mir lernen. Das lernt man nur in Basel. In der Stadt musst du leben, um das richtig zu lernen. Das ist auch eine Sache der Mentalität. American Drumming lernst du nicht in einem Blues-Lokal. Das lernst du in einem Drum Corps. Wenn du die Paraden siehst, wie die da ihre Stöcke schwingen, dann weißt du, was da abgeht. Die üben das, um es zu erlernen - da muss man viel üben! 


DH!!: Aber du hast das Basler Trommeln in Zürich erlernt ... das geht also doch nicht nur in Basel? 


Charly: Ich hab's in Zürich gelernt, ja, doch von einem Basler. Aber ich habe das in meiner Jugend zu wenig gekonnt. Und wenn du Jazz spielst, nützt dir das Basler Trommeln erst dann was, wenn du diese Technik im Jazzdrumming verwenden kannst. Ich habe die ganze Technik vom Schweizer Militär­trommeln ins Schlagzeugspiel eingebaut. Die Amerikaner spielen nicht so. 


DH!!: Man könnte also sagen: Das was Steve Gadd in Amerika gemacht hat, Rudimental Drumming ins Schlagzeugspiel einzubringen – das hast du hier auf die europäisch-schweizerische Art gemacht?  
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Das vollständige Interview lest ihr in Ausgabe 6/11 von DrumHeads!!






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