Keith Carlock (Steely Dan)

Irgendwie immer anders

Keith Carlock verändert bisweilen sein Äußeres: Auf seiner aktuellen DVD "The Big Picture" hat er einige Kilo mehr auf den Rippen als beim Interview vor dem Gig mit "Rudder"  im Berliner Jazzclub A-Trane, wo uns ein unerwartet schlaksiger Keith entgegen tritt. Eines bleibt dagegen immer gleich: seine eigene Stimme an den Drums – laut Bandkollege Oz Noy gibt es weltweit "niemanden, der klingt wie er: Ich erkenne Keith am ersten Takt". Grund genug, mal nachzufragen, wie er das macht...


von Cord Radke


Keith Carlock

DrumHeads!!: Viele Kollegen bescheinigen dir eine ganz eigene Stimme an den Drums. Die möchte natürlich jeder Drummer gerne haben. Wie hast du dich denn unverwechselbar gemacht?


Keith Carlock: Das kam allmählich. Ich wußte, für mich funktionierte es nicht, dass ich mir die ganze Zeit meine Lieblingsdrummer anhöre und versuche, sie zu kopieren. Ich dachte: Ok, das ist ihr Ding. Ich kann mir da Sachen rausziehen und verändern und gut durchmischen und es dadurch zu ‚meinem‘ machen. Vom Stimmen bis zu meinem Setup, meine Beckenauswahl – all das läuft darauf hinaus. Ich hab wirklich drüber nachgedacht, was ich denn speziell anbieten kann. 


 


DH!!: An welchem Punkt Deiner Entwicklung war das denn?


Keith: Das war nach dem Studium. Da gab es eine Zeit, wo ich so in der Schwebe war – bevor ich nach New York ging. Ich war in Dallas. Ich habe viel geübt und gespielt, habe eine Menge Zeit darein gesteckt, mich auf Video aufzunehmen und zu versuchen, herauszufinden, wonach ich suche: Eine Art Vokabular, das irgendwie 'anders' ist.


 


DH!!: Musstest du alles alleine herausfinden? Hat Dir kein Lehrer dabei geholfen?


Keith: Doch, ich hatte eine Menge toller Lehrer, aber ohne Ed Soph [an der Universität von Nord-Texas] wäre meine Spielweise heute nicht so abgerundet – vor allem konzeptionell gesehen. Jazz zu studieren, hat mein Spiel nach vorne gebracht und meine Möglichkeiten vervielfacht.


DH!!: Du setzt ja in Grooves deine Hi-Hat sehr ungewöhnlich ein, wenn du sie mit dem Fuß spielst: Für Akzente und Frage-Antwort-Figuren mit der Bassdrum. Hast du das aus dem Jazz?


Keith: Ja, das kann den Groove aufpeppen und sehr interessant klingen. Der Ansatz ist aus dem Jazz, auch wenn ich nicht Jazz spiele: Das Ridebecken als Sound-Teppich, auf dem die anderen Gliedmaßen interagieren. Vielleicht konzentrieren sich viele Drummer darauf, den Groove wiederholend zu spielen und sehen dabei nicht, dass ein Groove aus sich herausgehen kann und verschiedene Sachen machen, und dabei aber im Flow und konstant bleiben. Deswegen mag ich es, Gigs wie diesen mit Rudder zu spielen, wo alles offen ist und ich aus dem repetitiven Spielen raus- und wieder reingehen kann: Die Grooves verändern sich dabei ständig, entwickeln sich, entstehen neu.



Das vollständige Interview lest ihr in Ausgabe 4/10 von DrumHeads!!






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