von Michael Rensen
Schon mal versucht, ein AC/DC-Lied nachzuspielen? Die Songstrukturen scheinen einfach zu sein, Rhythmuswechsel sind quasi nicht existent, die Beats simpel. Doch sobald man sich in den Proberaum begibt und die ersten Takte zockt, merkt man, dass es unglaublich schwer ist, die einzigartige Magie der Originalaufnahmen auch nur ansatzweise zu reproduzieren. Spieltechnisch lässt sich der Großteil der Schlagzeugparts problemlos bewältigen, Herzinfarkte und Muskelkrämpfe holt man sich dabei nicht, aber das Spiel-Feeling und vor allem der Groove, der AC/DC von allen anderen Rockbands dieses Planeten abhebt, stellen die meisten Drummer vor nahezu unlösbare Probleme. Der Drive, die Wucht, die trotz der knüppeligen Urgewalt fast swingende Leichtigkeit der Drumbeats - was hier in minimalistischem Korsett geschieht, ist musikalisch in einer ganz eigenen Qualitätsliga angesiedelt.
Von Beruf Elektriker
Der Mann, der das AC/DC-Drumming wie kein anderer prägte und immer noch prägt, heißt mit bürgerlichem Namen Phillip Hugh Norman Witschke Rudzevecuis und wird 1954 im australischen Melbourne geboren. Der gelernte Elektriker, den alle Welt nur Phil Rudd nennt, lässt bei jeder sich bietenden Gelegenheit Schraubenzieher und Stromprüfer fallen, um sich hinter sein geliebtes Drumkit zu klemmen. Nach diversen kürzeren Flirts mit Melbourner Underground-Bands nimmt er mit den Rüpel-Rockern Buster Brown um den späteren Rose-Tattoo-Sänger Angry Anderson das Album «Something To Say« auf, steigt aber 1974 wieder aus, weil er ahnt, dass die Zukunftsaussichten für Buster Brown alles andere als rosig sind.
Zu diesem Zeitpunkt sind AC/DC gerade dabei, zur größten Hard-Rock-Sensation Australiens aufzusteigen. Die in Schottland geborenen und als Kinder nach Down Under übergesiedelten Young-Brüder Malcolm und Angus haben es 1973 geschafft, nach einigen getrennten Gehversuchen ihre erste gemeinsame Band auf die Beine zu stellen. Am Mikro steht Dave Evans, die erste erwähnenswerte Rhythmus-Abteilung besteht aus Basser Larry Van Kriedt und Drummer Colin Burgess. Mit einem breit gefächerten Coversongs-Programm, das vor allem aus Nummern von den Beatles, den Stones und Chuck Berry besteht, erobern AC/DC in atemberaubender Geschwindigkeit die Clubszene in Sydney. Als sie ins Studio gehen, um ihre Debüt-Single einzuspielen, merken die Youngs jedoch schnell, dass Van Kriedt und Burgess dieser Herausforderung nicht gewachsen sind. In den nächsten Wochen wechseln die beiden überaus ehrgeizigen Gitarrenzwerge ihre Hintermannschaft häufiger als ihre Unterhosen. Zeitzeugen erinnern sich noch an einen Knaben, der bei den Gigs im knielangen Harlekinkleid und mit glitzernden, enorm unpraktischen Plateauschuhen hinter seinem Drumkit kauert.
Die Wege kreuzen sich
Mitte 1974 kommt dann endlich etwas Ruhe in das Schleudersitz-Kommando. Basser Rob Bailey und Drummer Peter Clack können den hohen Ansprüchen der Youngs halbwegs genügen, und mit dem ebenfalls in Schottland geborenen Bon Scott finden AC/DC den idealen Sänger. Bei den Recording-Sessions zum ersten Album «High Voltage« macht Producer George Young seinen jüngeren Cousins Malcolm und Angus allerdings unmissverständlich klar, dass sie auch mit ihrer aktuellen Mannschaft auf Dauer keinen Blumentopf gewinnen können.
Das vollständige Porträt lest ihr in Ausgabe 5/10 von DrumHeads!! |